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Mehr Nestwärme

Bauherr und Architekt Robert Kern im Interview

Robert Kern lebt mit seiner Familie im nahe München gelegenen Fahrenzhausen. Zwischen 2006 und 2009 verwirklichte das Architektenpaar Kern dort seinen Traum vom Wohnen. Von der Planung bis zum letzten Schliff ist der langgezogene L-Bau mit dem eingefassten Innenhof ein Gemeinschaftsprojekt im besten Wortsinne. Geselligkeit und das Zusammenleben mehrerer Generationen verleihen dem Haus einen ganz eigenen Charakter. Es soll einladen und die Trennung zwischen Arbeit und Wohnen aufheben. Das Ergebnis: Ein Ort voller Leben.

Herr Kern, was macht ein lebenswertes Haus aus Ihrer Sicht aus?

Ein Haus muss zu den Menschen passen, die darin wohnen. Es muss sich mit ihnen entwickeln und vor allem Entwicklung zulassen. Wir wollten in einem Haus leben, das keinen Zwang ausübt, das offen ist für Freunde und Familie. Die Kinder sollten schnell im Garten oder bei den Großeltern gegenüber sein können. Ganz wichtig war uns auch, dass es viel Tageslicht gibt und natürlich genügend Raum für Begegnungen aber auch für Rückzug. Der größte Luxus aber ist, nah beieinander zu sein und den Kindern beim Aufwachsen zusehen zu können. Unser Zuhause ist auch unser Arbeitsort. Da gibt es keine künstliche Trennung. Das passt zu uns.

Das klingt nach einem alten Ideal: Leben und Arbeiten an einem Ort, die ganze Familie unter einem Dach. Würden Sie sich als traditionell bezeichnen?

Damit vier Generationen am Hof wohnen können, muss es flexible Bereiche geben, die alle nutzen können, generationenübergreifend. Bereiche, wo alle zusammenkommen, die auch offen sind für Freunde und Bekannte. Vom ersten Fest im Rohbau an war dieses Haus lebendig und so ist es geblieben. Und dadurch verändert sich das Haus auch beständig weiter. Wir haben hier so viel selbst gemacht und probieren uns weiter aus. Darum wird es wohl auch nie ganz fertig sein, unser Experimentierhaus. In dieser Hinsicht handeln wir vielleicht nicht sehr traditionell. Aber mich beeinflusst auch, wie meine Eltern und Großeltern hier als Bauern gelebt haben, die noch eine tiefe Verbundenheit und Leidenschaft hatten für Land und Tier.

Diese Naturverbundenheit merkt man auch der Auswahl der Materialien an, mit denen Sie gebaut haben. Ist das auch ein Statement für Nachhaltigkeit?

Aus meiner Sicht läuft der Begriff der Nachhaltigkeit Gefahr, an Glaubwürdigkeit zu verlieren, weil er so inflationär verwendet wird. Für uns war die Vorstellung von einem offenen und lebendigen Ort ganz eng verknüpft mit einem klaren Grundriss und robusten, natürlichen Materialien. Und dazu gehört auch die nachhaltige Energieerzeugung, die darüber hinaus ja noch weitere Vorteile bietet. Wir müssen keinen Brennstoff organisieren, sondern nehmen die Wärme, die die Erde bereithält. Damit sind kaum Arbeiten verbunden. Und auch den Strom für die Wärmepumpe werden wir langfristig über unsere Photovoltaik-Anlage beziehen, sobald die Möglichkeiten der Stromspeicherung so weit sind.

Wieso haben Sie sich ausgerechnet für Erdwärme entschieden?

Das hat sich einfach angeboten, weil wir in Flussnähe wohnen und der Grundwasserstand in der Gegend relativ hoch und beständig ist. Als Architekt habe ich außerdem gute Erfahrungen mit Wärmepumpen gemacht. Bei unseren Projekten verbauen wir mittlerweile bis zu 85 Prozent Erd- und Grundwasserwärmepumpen. Und die Bauherren sind sehr zufrieden, wenn Planung und Umsetzung professionell erfolgen.



Foto: fotografiera/Andreas Kern


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