a Bauen auf Erdwärme
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Der Verwandlungskünstler

Eike Roswag geht an den Bestand

Herr Roswag, die Sanierung im Bestand stellt Architekten vor besondere Heraus­forderungen. Mit dem Ziel, den Energiebedarf des Gebäudes drastisch zu senken, haben Sie die Messlatte noch höher angelegt. Worin lag für Sie der Reiz dieses ­Projekts?

Neben der klassischen architektonischen Gestaltung war es uns wichtig, aus einem der energetisch schlechtesten Gebäude ein zukunftsweisendes Modellvorhaben zu machen. So eine Chance erhält man nicht alle Tage. Die Bauherren haben in ihrer Nachbarschaft nach einem Haus gesucht, das dem wachsenden Raumbedarf der Familie gerecht wurde, vor allem aber die Möglichkeit einer Einliegerwohnung für die bis dahin allein lebende Großmutter bot. Da es im direkten Umfeld in Buckow kaum noch freie Grundstücke gibt, lag der Kauf eines Bestandsgebäudes nahe. Doch insbesondere in den 1960er Jahren wurden in Deutschland die energieintensivsten Gebäude gebaut. Mit den fälligen Sanierungen im Außen- und Innenbereich des Wohnhauses wollten die Bauherren auch die energetische Sanierung umfassend in einem Schritt angehen. Das hat uns gereizt und da wir alle Planungsstufen mit den Bauherren gemeinsam entwickelt haben, wurde so die Innovationskraft des Projekts möglich. Die dena hat das Haus als Niedrigenergiehaus nach dem Standard EnEV 2007 -50% eingestuft. Mit der nachträglich eingebauten PV-Anlage entspricht die Jahresbilanz sogar der eines Plusenergiegebäudes.


Eike Roswag ist seit 2000 als Architekt und Energieberater tätig. Zwischen 2006 und 2008 war er Partner bei Roswag­ & Jankowski Architekten, einem Teil der Ziegert | Roswag | Seiler Architekten Ingenieure. Seit 2009 führt er dort Roswag Architekten als geschäftsführender Gesellschafter. Er ist Mitglied im Bund Deutscher Architekten (BDA), der Architektenkammer Berlin sowie der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DGNB).

Und wie sind Sie konkret vorgegangen?

Da der Grundriss weitgehend passte, wurden hier nur geringfügige Änderungen vorgenommen. Den Schwerpunkt haben wir auf die energetische Sanierung gelegt. Das vorgefundene Bestandsgebäude zeichnete sich nicht durch eine besondere Gestaltung aus. Deshalb entschieden wir, es von außen zu dämmen und ihm so ein neues Gesicht zu geben. Der bestehende Balkon war noch das markanteste Gestaltungsmerkmal, wurde aber nicht genutzt. Die durchlaufenden Stahlträger hätte man zudem nur sehr schwer dämmen können, ohne dabei die Gestalt grundlegend zu verändern. Also haben wir ganz auf ihn verzichtet und auch die massiven Eingangspodeste und die Dachüberstände entfernt. Das Ergebnis ist ein klar gegliederter Baukörper mit einem glatten, gut dämmbaren Gebäudeabschluss. Die hochdämmende Gebäudehülle wurde aus Holz und Zellulose bzw. Kalkputz errichtet und die Fenster mit Dreifachverglasung versehen.

Bei Sanierungen ist eine der schwierigsten Aufgaben ja, die bestehende Substanz in etwas Neues zu integrieren. Welchen Umgang mit dem Alten haben Sie hier gefunden und was ist das bewusst Neue?

Da wir am Grundriss und der Kubatur des Gebäudes wenig geändert haben, konnten wir den Rohbau, in dem große Mengen fossiler Ressourcen gebunden sind, schonen. Das Neue ist die äußere Schicht, die nach den Dämmmaßnahmen fast 40 Zentimeter misst. Die Lärchenholz-Verkleidung am zweistöckigen Gebäudeteil und der Kalkputz an den Anbauten spiegeln die verwendeten Naturbaustoffe wider. Uns war es wichtig, über die energetischen Fragen hinaus Ressourcen schonende, dauerhafte Materialien zu verwenden und auf das konventionelle Wärme­dämmverbundsystem zum Beispiel aus Styropor zu verzichten.

Heizung und Kühlung erfolgen heute über eine Wärmepumpe. Was war für die Entscheidung, Erdwärme zu nutzen, ausschlaggebend?

Die Bauherren wünschten sich eine langfristige Unabhängigkeit von den Marktpreisen für Energie – ein Ziel, das sie in Verbindung mit der PV-Anlage nun auch erreicht haben. Außerdem war ihnen verantwortliches Handeln bei der Wahl der energetischen Ressource wichtig. Auf den Einsatz fossiler, nicht erneuerbarer Energie sollte ganz verzichtet werden. Mit dieser Vorgabe war für uns die Erdwärmepumpe in Verbindung mit einer Fußbodenheizung ein sehr effizientes und naheliegendes regeneratives System. Erdwärme bzw. Wärmepumpen sind meiner Meinung nach eine der Schlüsseltechnologien der Heiz- und Kühltechnik.

War die nachträgliche Umrüstung auf Erdwärme nicht schwierig?

In diesem Fall nicht. Da es sich bei dem Vorhaben um eine grundsätzliche Sanierung handelte, wurden auch die Außenbereiche neu gestaltet und es war recht einfach, die Sonden zu bohren und die Leitungen ins Haus hineinzuführen. Insbesondere die Notwendigkeit der Erneuerung der gesamten Haustechnik hat einen Wechsel zu regenerativen Quellen nahegelegt. Mit der Entfernung des ehemaligen Heizöltanks ist sogar ein zusätzlicher, gut nutzbarer Raum entstanden. Die Umstellung hat sich also in jeder Hinsicht gelohnt.

Checkliste Erdwärme im Altbau







Im südlichen Berliner Stadtgebiet, inmitten einer Einfamilienhaussiedlung der Nachkriegszeit, befindet sich ein von der Deutschen Energie-Agentur (dena) mit dem Gütesiegel „Effizienzhaus 55“ ausgezeichneter 60er-Jahre-Bau. Alter und bauliche Herkunft sieht man dem Wohnhaus mit Einliegerwohnung heute nicht mehr an. Das ehemals energieintensive Gebäude wurde zwischen 2007 und 2008 grundlegend saniert. Eike Roswag von Roswag & Jankowski Architekten verantwortete die bauliche Planung wie auch die Energieberatung.


Fotos: dena/Gunther Hapke; Eike Roswag; Bundesverband Wärmepumpe (bwp) e. V.


Projektportrait


Objekt

Einfamilienhaus/Berlin, saniert

Architekten

Roswag & Jankowski Architekten

Heiztechnologie

Wärmepumpe/Erdwärmesonde

Bohrungen

2 Bohrungen/90-95 m Tiefe

Grundriss


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